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Die Affengeschichte

Es ist früher Mittag und ziemlich warm. Ich stehe mit Lassus, einem der (nicht mehr ganz so) jungen Wilden im Roundpen und mache Bodenarbeit. Schräg über mir auf einem Felsen sitzt Dani und schaut mir zu. Wobei- wahrscheinlich träumt sie eher mit offenen Augen, denke ich. Doch auf einmal ist sie hellwach und deutet, hektisch mit den Armen fuchtelnd auf das Eingangstor. Bis ich verstanden habe, in welche Richtung ich schauen soll, ist der Affe auch schon wieder weg.

Ein wenig früher als vorerst beabsichtigt beendige ich die Bodenarbeitsstunde und Lassus freut sich über den vorzeitigen Unterrichtsschluss. Dani klettert derweil von ihrem Felsen hinab und gemeinsam schleichen wir uns in Richtung Tor. Doch auch von hier aus ist kein Affe mehr zu sehen. Also machen wir uns daran, seine Spuren zu lesen, um ihm zu folgen. Schubkarre, Hund, Auto,Fuß- aber nichts, was unser „Jerry (so werden wir hier liebevoll genannt) Auge“ einem Affen zugeordnet hätte. Hat Dani wohl doch ein bisschen wild geträumt…

Auf einmal hören wir einen lauten Schrei, der, als ob er sich nicht schon angsteinflößend genug anhören würde, von den Felsen vervielfältigt und  als Echo zurück geworfen wird. Er hat entfernt Ähnlichkeit mit dem eines Menschen, klingt aber roher und wilder. Schön klingt anders.

Unser „Jerry- Ohr“ weiß natürlich sofort: das kann nur ein Affe gewesen sein!

Und als weitere Stimmen antworten, hat auch unser „Jerry-Verstand“ kapiert, dass da eine ganze Affenhorde direkt über uns hinter der Felskuppe sitzt. Einen kurzen Augenblick lang spielen wir mit dem Gedanken, die Stellung zu halten um unser Mittagsessen zu verteidigen, falls nötig. Doch ein weiterer Schrei genügt, um unsere heldenhaften Pläne zu zerstören. Bleibt nur eine Frage: Wohin mit unseren Rucksäcken? So ein Affe hat doch sicherlich Spaß daran, einen Laptop oder eine Kamera auseinander zu nehmen. Wir zögern nicht lange, legen unsere Sachen in den Behälter, der uns affensicher erscheint, die Waschmaschine, und satteln in Rekordzeit unsere Pferde. Sigfried mag nach der Fußgängergeschichte nicht als das optimale Fluchtpferd erscheinen, aber nach einigen eindringlichen Worten begreift er den Ernst der Lage und wir galoppieren los. Als wir uns nach einigen hundert Metern umdrehen, sehen wir sie: eine riesige Horde Pawiane thront triumphierend über unseren Köpfen in den Felsen und veranlasst uns dazu, noch ein wenig schneller zu reiten. Hui sind die groß!

Am Farmhaus angekommen versucht man, ernst zu bleiben und nicht über die „Jerrys“  zu lachen, die vollkommen aufgelöst auf den Hof geritten kommen, weil sie aus der Ferne ein paar Affen gesehen haben. Das ist hier nichts Außergewöhnliches, doch wir wussten davon bislang nichts.

Aber wir sind uns dennoch einig: wir waren (jedenfalls fast) in Lebensgefahr!

Trotz allem lassen wir uns davon überzeugen, wieder zurück zu reiten und die Affen im Fall der Fälle mit Topfdeckeln und lautem Rufen in die Flucht zu schlagen.

Die Vorstellung, mit einem Topfdeckel bewaffnet einem Pawianmännchen entgegen zu treten, dessen Hauer so lang sind wie meine Hand, ist nicht gerade verlockend…

Todesmutig treten wir den Rückweg an. Und dank unserer schon aus weiter Ferne angsteinflößenden Aura sind die Affen wieder verschwunden.

Schade eigentlich- Mensch mit Topfdeckel Auge in Auge mit einem Affen mit gebleckten Zähnen- das hätte ein tolles Motiv abgegeben!

25.8.13 16:05


Heute mal was Kitschiges

Als wir nach dem Zubereiten von Biltong mit Anke aus dem Haus treten, halte ich plötzlich staunend inne. Aufgeregt bedeute ich Dani, ebenfalls stehen zu bleiben. Ich kann meinen Augen nicht trauen. Und die arme Dani weiß gar nicht, was los ist. Hängt da eine Schlange im Baum vor uns? Oder liegt etwa ein Skorpion vor ihren Füßen? Fast ein wenig weinerlich fragt sie nach dem Grund meiner plötzlichen Aufregung. Erst weiß ich gar nicht, wie ich es beschreiben soll; es sieht so aus, als läge überall Schnee. Sämtliche Oberflächen glänzen in einem samtig silbrigen Licht. Der Sand zu unseren Füßen, die Dächer der Hütten und sogar die Felsen, die das Tal umgeben. Alles strahlt und glitzert wie verzaubert. Es ist beinahe zu schön, um wahr zu sein. Der Mond scheint hell und gibt den Blick frei auf viele magisch- silbrige Details im Halbdunkeln. Im Mondlicht satteln wir die Pferde und machen uns auf den Heimweg. Andächtig, fast ehrfürchtig reiten wir dicht an dicht durch die stille Nacht und blicken in den Sternenhimmel, der sich majestätisch über uns erstreckt. Von hier aus kann man sogar die Venus sehen!

Wir beginnen, über die für uns unbegreifliche Weite des Universums zu philosophieren. Wir unglaublich klein kommt man sich hier vor, zwischen riesigen Felsen und alten Bäumen, die schon so viel gesehen haben und den so unerreichbaren Sternen. Klein und unwissend, aber gerade dieses Gefühl tut gut und erdet ungemein.

Es ist einer dieser Augenblicke, in dem alles in einem aufzublühen scheint, um möglichst viel davon aufzusaugen und ihn auszukosten.

Einer dieser kostbaren Momente, die man ganz tief in sich verschließt und ewig mit sich herum trägt.

Genau wegen solcher Augenblicke habe ich eine solche Reise angetreten.

 

Eine Sternschnuppe rundet das vollkommene Bild ab. Gerade gestern Abend habe ich mich vor dem Einschlafen gefragt, was ich mir in einer solchen Situation wünschen würde. Ich bin schnell zu folgendem Schluss gekommen: Nichts- ich bin wunschlos glücklich. Und das sage ich nicht einfach nur so.

Aber ich wünsche mir trotzdem etwas und hoffe, dass es in Erfüllung geht, obwohl ich es verrate. Ich wünsche mir, dass  ihr gerade auch so glücklich seid wie ich es bin.

20.8.13 13:50


Fußgänger sind die besseren Cowboys

Nach nun gut einer Woche hier ist es an der Zeit, einmal einen groben Tagesablauf zu skizzieren, um euch einen genaueren Einblick in das tägliche Geschehen zu geben.

Um sieben läutet hier der unsensible Handywecker den Tag ein und nach einem schnellen Frühstück mit Mehlmüsli (damit das Müsli länger reicht- einfach mit Mehl strecken, klingt komisch, schmeckt aber!) geht es auf die Pferde. Zwei übernachten immer an unserem Häuschen im Stall und mit ihnen geht es 2 (meist sehr schnelle) km in Richtung Cowboycamp, wo mit den anderen Pferden gearbeitet wird. Damit dies aber überhaupt stattfinden kann, müssen sie erst einmal von einem der riesigen eingezäunten Flächen getrieben werden. Und das geschieht natürlich- wie sollte es auch anders sein- zu Pferd. Heute haben Dani und ich diese Aufgabe zum zweiten Mal alleine erledigt. Nach einem wilden Galopp hinter der Herde junger Wilder, der nach einigen Anstrengungen tatsächlich in Richtung Tor führt, verliert mein Pferd Siegfried plötzlich die Lust. Mitten im Lauf hält er es für eine gute Idee, plötzlich nach links mit dem Kopf gegen den Zaun zu rennen und die Richtung zu ändern.  Nur ein Versehen, denke ich mir und versuche weiterhin, die Herde im Zaum zu halten. Doch Siegfried hat nun, kurz vor dem Ziel, vollkommen den Willen zur Kooperation verloren und rennt abwechselnd gegen die zahlreichen  Dornenbüsche und den Zaun. Langsam werde ich leicht säuerlich. Und die Herde entfernt sich immer weiter von dem schon so nahe geglaubten Ziel… Ein Rancharbeiter hält mit seinem Pickup am Zaun und grinst. Der hat gut grinsen! Sein Pickup lässt sich wenigstens lenken. Siegfried ist mittlerweile dazu übergegangen, immer genau das Gegenteil von dem zu machen, was ich will. So überflüssig habe ich mich schon lange nicht mehr auf einem Pferd gefühlt- ich kann machen was ich will, er tut aus Prinzip etwas anderes. Dani hat alle Hände voll zu tun, die nun auseinanderlaufende Herde zusammen zu halten. Das Tor rückt in immer weitere Ferne.  Mittlerweile bin ich wirklich geladen. Aber Aufgeben kommt nicht in Frage! Wir ärgern uns noch eine Weile herum und  irgendwann  habe ich dann  wirklich keine Geduld mehr.  Ich springe ab und drücke Dani den Zügel in die Hand. Was dieses Pferd kann, bzw. anscheinend nicht kann, kann ich schon lange. Wütend renne ich los. Tut das gut, sich am Boden abzureagieren! Leider habe ich die Tiefe des Sandes nicht berücksichtigt. Auch nicht das nicht zu verachtende Gewicht meiner Boots und die diversen Kleidungsschichten, die leider weniger windschnittig sind. Nach 50 Metern kann ich nicht mehr und möchte mich sehr, sehr gern in den so verlockend aussehenden Sand fallen lassen. Aber die Blöße will ich mir nicht geben. Sollen Siegfried und die Grinsebacke im Pickup nur sehen! Keuchend laufe ich weiter. Ein großer Brauner scheint meine Bemühungen zu belächeln und trabt provokativ leichtfüßig davon. Das gibt mir Kraft für die nächsten Meter. Aber dann ist wirklich Schluss und vollkommen fertig gehe ich dazu über, laute Rufe auszustoßen, um die Herde vor mir her zu treiben. Wohl eher aus Mitleid gehen sie schließlich doch durch das Tor. Wie gut, dass ich heute meinen Cowboyhut nicht mitgenommen habe, er hätte jetzt sicherlich einige Bissspuren.

Auf den letzten Metern zum Stall zerstreut sich die Herde noch einmal. Diesmal ist es Dani, die die Geduld verliert  und abspringt, aber einige gekeuchte Meter und professionell klingende Treiblaute später schließen wir erhitzt das Stalltor. Endlich!

So viel also zum Pferdeeinfangen. Danach geht es weiter mit Bodenarbeit mit den jungen Wilden, so bekommen sie einige Basics mit auf den Weg, die sie später auch unter dem Sattel gut gebrauchen können, um einmal kooperative und umgängliche Arbeitspferde zu werden.

Nach einer Mittagspause Zuhause und weiteren „Colts“, so werden die jungen Wilden hier genannt, ist Feierabend und wir reiten gemütlich in der Dämmerung nach Hause.

 

Ab Mitte dieser Woche steht Rindertreiben auf dem Programm- diesmal hoffentlich nicht zu Fuß…

14.8.13 10:50


Nachtrag vom 3.08.

Der nächste Morgen beginnt mit einem schockierenden Erlebnis: dem Blick in den Spiegel. Bin wirklich ich diese Person mit den kleinen Augen und dafür umso größeren Augenringen darunter?

Ich beschließe, den Spiegel vorerst zu meiden und beginne stattdessen mit dem Packen. Wir bekommen das Angebot, mit der netten Frau und drei weiteren Praktikanten aus Windhuk über das Wochenende in die Wüste zu den höchsten Dünen der Welt zu fahren, müssen aber leider ablehnen, da sonst die Anreise zur Ranch problematisch wird.

Die beiden sehr sympathischen Ranchbesitzer Wulff und Anke, die beide deutsch sprechen, jedoch in Südafrika aufgewachsen sind, sind mit einem Geländewagen vorgefahren und wir vertauen unser Gepäck unter den Enten im Kofferraum, bevor wir zum nächsten Supermarkt fahren. Dies wird der letzte sein für eine lange Zeit, denn Einkaufen werden wir selbst gar nicht mehr, Lebensmittel werden uns mitgebracht. In dem Supermarkt laufen fast ausschließlich deutsch sprachige Weiße herum, im Radio tönen uns die gleichen Songs entgegen wie in Deutschland und ich bekomme sogar die gleichen Haferflocken und Nudeln „wie daheim“. Wir kaufen also für einige Zeit im Voraus ein und stellen fest, dass wir dafür  Zuhause  auch nicht viel mehr bezahlt hätten. Wie war das noch mit den niedrigen Lebenshaltungskosten?

Dann geht es endlich los, auf in unser neues Zuhause für die nächsten drei Monate. Auf den ersten hundert Kilometern teilen wir uns die Straße mit Autos auf dessen Ladeflächen gepicknickt wird, Pferde- und Eselkutschen und zwischendurch einigen Fußgängern in Wintermontur und dicken Wollmützen. Wir tragen noch tapfer kurze Hosen, allerdings mehr aus Trotz gegen die Kälte als aus Notwendigkeit. Und ehrlich gesagt und es ziemlich (!) kalt.

 

Zwei Affen laufen gemächlich vor unser Auto, aus der Ferne sehen wir Springböcke, Orixe, und einmal springen uns beinahe eine Kudukuh und ihr Sprössling vor die Motorhaube. Diese Tiere haben nämlich die lebensunfreundliche Angewohnheit, direkt in ein Auto hinein anstatt davor weg zu springen, weil sie in Stresssituationen die Kontrolle über sich verlieren. Noch gefährlicher soll es nachts sein, weil sie sich vor ihrem eigenen Schatten erschrecken, den die Scheinwerfer hinter sie projizieren. Wenn das nicht so gefährlich für beide Seiten wäre, wäre es eigentlich ganz lustig.

 

Auf den „Sandstraßen“ kommen uns nur wenige Fahrer entgegen, in den ersten beiden Stunden genau einer und wir fahren auf der gesamten Strecke nur durch drei Dörfer.  Die letzten Kilometer vor dem „Dorf“ vor der Ranch rollen wir- der Sprit ist leer. Glücklich darüber, angekommen zu sein, stehen wir erwartungsvoll vor der Tankstelle, die mit einem 24h Service wirbt. Allerdings verschwindet die Euphorie bald- über die Servicenummer ist niemand zu erreichen und eine der Angestellten, die zufällig vorbei läuft, schüttelt nur abweisend den Kopf. Sie wird heute nicht mehr aufmachen.

Wir befinden uns übrigens in Helmeringshausen, dem Dorf in Namibia mit dem längsten Namen und vergleichsweise kleinsten Einwohnerzahl (die sich auf ca 15 beschränkt). Vielleicht klingelt es bei dem ein oder anderen Hummeldumm- Leser, denn auch hier hat der Reisebus der „Gurkentruppe“ Halt gemacht. Es gibt hier eine Tankstelle, die aus zwei Zapfsäulen besteht, einen kleinen Laden, der vor allem Konserven führt und ein Hotel, dessen Besitzer gleichzeitig auch Bürgermeister, Polizei etc sind. Zur Stärkung essen wir eine Springbocksuppe und der Schrank von einem Mann von einem Hotelbesitzer gibt uns 20 Liter Sprit, mit dem wir es bis zur Ranch schaffen. Man kennt sich hier in der eher weniger dicht besiedelten Wüste, und man hilft sich gegenseitig.

Es ist gerade mal 6 Uhr und beinahe vollständig dunkel

Obwohl Dani und ich wirklich müde sind von der Reise, ist an Schlaf nicht zu denken. Die nächsten zwei Stunden fahren wir nämlich zum größten Teil durch die Tirasberge auf schmalen, holprigen Wegen, die letzten 1,5h bereits auf dem Ranchgelände.

Als ich auf dem letzten Teil der Strecke durch das Fenster die letzten Sonnenstrahlen betrachte, die hinter den sandig roten Hügeln untergehen, überkommt mich eine große Dankbarkeit und eine Welle des Glücks durchströmt mich. Bereits jetzt bin ich gedanklich vollkommen woanders, ganz weit weg und trotzdem bei mir, in einer neuen Welt, aber sie gefällt mir schon jetzt unglaublich gut. Und das Beste: es ist wirklich, es ist real und es hat gerade erst begonnen!

Ich lehne mich zurück und möchte am liebsten alles und jeden umarmen.

 

Am Ziel angekommen empfängt uns eine andere Praktikantin, mit der wir noch eine Woche zusammen hier leben werden. Unser neues Zuhause ist die „Studentenburg“, die nicht nur so heißt, sondern auch wirklich so aussieht. Leider ist es so dunkel, dass wir von der Umgebung noch nichts erahnen können. Dafür flasht mich der Anblick des gigantischen Sternenhimmels. Man sieht hier sogar die Milchstraße!

Kurz nach dem Beziehen unserer Zimmer falle ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

 

Am nächsten Morgen Stehe ich schon um sieben Uhr auf (freiwillig! Und das mir als Langschläfer) und kann mich partout nicht mehr ins Bett legen, so unglaublich  spektakulär ist die Umbegung, in der ich mich, noch ganz verschlafen und im Schlafanzug, wiederfinde. Die Studentenburg befindet sich in einem großen Tal, dessen Seiten von hohen roten Felsen begrenzt wird. Darüber erstreckt sich ein tiefblauer Himmel und bildet dazu einen tollen Kontrast. Vereinzelt stehen hier und da ein paar Bäume, trockene Grasbüschel und weitere Felsen.

Zum Glück ist heute Sonntag, Ruhetag also, und wir haben einen Tag lang Zeit zum Ankommen und Orientieren, bevor es morgen zum ersten Mal aufs Pferd geht.

Leider funktioniert mein Handy nicht und Internet gibt es hier direkt leider auch keines, erst 2km weiter, aber ich versuche die Botschaft, dass wir gut angekommen sind, telepathisch zu übermitteln.

 

Beim Frühstück draußen beobachten uns laut krakehlend kleine graue Tierchen, die wie Miniwombats aussehen, aber keine sind und Dussies heißen.

Nachdem wir uns zu dritt (bzw. zu viert, Flo, der lustige Jack Russel begleitet uns) auf Erkundungstour in Richtung Farm begeben und dort Orangen, Zitronen, Pampelmusen und Kumquats geerntet haben, tragen wir uns zwei Betten hinter das Haus und liegen, mit Blick auf die roten Felsen und drei Wildpferde, die davor grasen, in der Sonne und genießen das laue Winterwetter.

Life is wonderful!

 

12.8.13 13:24


Nachtrag vom 2.08.

Der Flug nach Johannesburg dauert lang, sehr sehr lang. Anfangs begeistert mich noch das große Filmangebot, aber dann werde ich schnell müde und möchte eigentlich schlafen, doch trotz großer Beinfreiheit (die nette Frau am Schalter hat uns die sichersten Plätze direkt neben dem Notausgang gegeben) sitze ich noch lange wach. Zu „uns“ gehört übrigens Dani, meine Mit(st)reiterin. Gestern am Flughafen haben wir uns zum ersten Mal gesehen, es ist also noch ganz frisch mit uns. Aber wir haben schnell festgestellt, dass wir aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Wir bilden ein perfektes Chaos Team und haben schon jetzt eine Menge Spaß zusammen. Der nächste Morgen beginnt mit einem Katergefühl und dazu passendem Frühstück mit Sausages und crumbled eggs. Doch das flaue Magengefühl verabschiedet sich schnell bei dem Anblick des Sonnenaufgangs und den afrikanischen Landschaften, die unter uns langsam erwachend aus der Dämmerung auftauchen. Ab diesem Augenblick bekomme ich das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Wie oft habe ich mir ausgemalt wie es sich anfühlen wird, nach langem Planen, Vorbereiten und Träumen endlich(!) auf afrikanischem Boden zu stehen. Die ernüchternde Antwort: kalt! So kalt, dass wir aus dem Flugzeug eine Decke mitgehen lassen und mit Freuden (und aus wärmetechnischen Gründen) „laufender Teppich“ spielen. Der zweite Eindruck stimmt mich deutlich fröhlicher- eine gut gelaunte Putzfrau trällert Putzlappen schwingend ein Lied und lässt dazu einige Tanzschritte anmuten. Und überhaupt- die Stimmung am Flughafen ist, entgegen dem deutschen, sehr entspannt. Während Dani und ich Zähne putzend im Waschraum stehen, betritt eine weitere Frau das Bild, lässt noch in der Eingangstür zum Toilettenbereich ihre Hose runter und setzt sich bei offener Tür auf den Pott. Wenn das mal keine Begrüßung ist… Vollkommen in eine Zeitschrift vertieft, warten wir auf den Anschlussflug nach Windhuk, als ich aus dem Augenwinkel eine Hand bemerke, die sich nach meinem Koffer ausstreckt und ihn am Griff packt. Mit einem überraschten Fauchlaut (vielleicht wäre eine direkte Ansprache in drohendem Ton angebrachter gewesen) gewinne ich wieder Macht über mein gutes Stück (und vor allem die Kamera!). Von diesem Moment an schaue ich vorsorglich böse an jeder Hand hinauf, die sich ihm meiner Ansicht nach zu sehr nähert. Offensichtlich nimmt der Afrikaner die Kälte mit Humor- ein Flughafenarbeiter, der noch wenige Minuten vor Abflug an unserer Maschine schraubt, trägt Ohrenwärmer im Leopardenmuster… Der Wind spielt Ping Pong mit unserer Maschine, wir fallen von einem Luftloch ins nächste, sodass mein Sitznachbar sich irgendwann entnervt abwendet, als ich den dritten Löffel Reis versehentlich über seinem Tischchen entleere. Aber wir kommen, mit flauem Magengefühl zwar, gut in Windhuk an. Welch ein angenehmer Gedanke, die nächsten drei Monate kein Flugzeug besteigen zu müssen! Nun wartet die nächste Hürde- findet den schwarzen Fahrer! Es gibt in der Empfangshalle viele, die auf diese Beschreibung passen würden, jedoch versucht uns jeder anwesende Taxifahrer davon zu überzeugen, dass er der gesuchte Mann ist. Schließlich erbarmt sich eine nette deutsche Frau unser, die ihrerseits auf eine Praktikantin wartet. Da deren Koffer verloren ging, haben wir eine Weile Zeit, um uns auszutauschen und wir nehmen ihr Angebot, uns erst einmal mitzunehmen, dankend an. Da sitzen wir also in einem sandigen Toyota und brausen die 50km bis in die Stadt. Auf dem Weg begegnen uns Warzenschweine, ein Affe und gefühlt alle paar Meter eine Gruppe Menschen, die anscheinend eine Autopanne haben und die Gelegenheit zum Picknick am idyllischen Straßenrand nutzen. Anders kann ich mir ihre Ortswahl nicht erklären… Ist das schön hier! Bei der freundlichen Frau angekommen versuchen wir, die Ranchbesitzer zu kontaktieren, die uns morgen früh anholen werden. Die sind im ersten Augenblick sehr erstaunt, dann aber froh, dass wir gut untergekommen sind. Drei Stunden später allerdings rufen sie zurück- das wäre ihnen doch alles nicht so geheuer, sie wollten uns gerne persönlich sprechen. Blöd nur, dass Dani und ich zu diesem Zeitpunkt irgendwo im Parkhaus den Einkauf in das Auto räumen und nicht erreichbar sind. So langsam wird man an der andreren Seite der Leitung nervös- man wird die beiden Mädchen doch nicht entführt haben?! Doch dieses Missverständnis lässt sich irgendwann aufklären und wir lassen den Abend in einem Restaurant ausklingen (dem leider die Würmer ausgegangen sind, weshalb wir auf diese Erfahrung leider verzichten müssen). Morgen früh geht es weiter zur Ranch, 700km durch das Niemandsland…
12.8.13 13:19


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