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Nachtrag vom 2.08.

Der Flug nach Johannesburg dauert lang, sehr sehr lang. Anfangs begeistert mich noch das große Filmangebot, aber dann werde ich schnell müde und möchte eigentlich schlafen, doch trotz großer Beinfreiheit (die nette Frau am Schalter hat uns die sichersten Plätze direkt neben dem Notausgang gegeben) sitze ich noch lange wach. Zu „uns“ gehört übrigens Dani, meine Mit(st)reiterin. Gestern am Flughafen haben wir uns zum ersten Mal gesehen, es ist also noch ganz frisch mit uns. Aber wir haben schnell festgestellt, dass wir aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Wir bilden ein perfektes Chaos Team und haben schon jetzt eine Menge Spaß zusammen. Der nächste Morgen beginnt mit einem Katergefühl und dazu passendem Frühstück mit Sausages und crumbled eggs. Doch das flaue Magengefühl verabschiedet sich schnell bei dem Anblick des Sonnenaufgangs und den afrikanischen Landschaften, die unter uns langsam erwachend aus der Dämmerung auftauchen. Ab diesem Augenblick bekomme ich das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Wie oft habe ich mir ausgemalt wie es sich anfühlen wird, nach langem Planen, Vorbereiten und Träumen endlich(!) auf afrikanischem Boden zu stehen. Die ernüchternde Antwort: kalt! So kalt, dass wir aus dem Flugzeug eine Decke mitgehen lassen und mit Freuden (und aus wärmetechnischen Gründen) „laufender Teppich“ spielen. Der zweite Eindruck stimmt mich deutlich fröhlicher- eine gut gelaunte Putzfrau trällert Putzlappen schwingend ein Lied und lässt dazu einige Tanzschritte anmuten. Und überhaupt- die Stimmung am Flughafen ist, entgegen dem deutschen, sehr entspannt. Während Dani und ich Zähne putzend im Waschraum stehen, betritt eine weitere Frau das Bild, lässt noch in der Eingangstür zum Toilettenbereich ihre Hose runter und setzt sich bei offener Tür auf den Pott. Wenn das mal keine Begrüßung ist… Vollkommen in eine Zeitschrift vertieft, warten wir auf den Anschlussflug nach Windhuk, als ich aus dem Augenwinkel eine Hand bemerke, die sich nach meinem Koffer ausstreckt und ihn am Griff packt. Mit einem überraschten Fauchlaut (vielleicht wäre eine direkte Ansprache in drohendem Ton angebrachter gewesen) gewinne ich wieder Macht über mein gutes Stück (und vor allem die Kamera!). Von diesem Moment an schaue ich vorsorglich böse an jeder Hand hinauf, die sich ihm meiner Ansicht nach zu sehr nähert. Offensichtlich nimmt der Afrikaner die Kälte mit Humor- ein Flughafenarbeiter, der noch wenige Minuten vor Abflug an unserer Maschine schraubt, trägt Ohrenwärmer im Leopardenmuster… Der Wind spielt Ping Pong mit unserer Maschine, wir fallen von einem Luftloch ins nächste, sodass mein Sitznachbar sich irgendwann entnervt abwendet, als ich den dritten Löffel Reis versehentlich über seinem Tischchen entleere. Aber wir kommen, mit flauem Magengefühl zwar, gut in Windhuk an. Welch ein angenehmer Gedanke, die nächsten drei Monate kein Flugzeug besteigen zu müssen! Nun wartet die nächste Hürde- findet den schwarzen Fahrer! Es gibt in der Empfangshalle viele, die auf diese Beschreibung passen würden, jedoch versucht uns jeder anwesende Taxifahrer davon zu überzeugen, dass er der gesuchte Mann ist. Schließlich erbarmt sich eine nette deutsche Frau unser, die ihrerseits auf eine Praktikantin wartet. Da deren Koffer verloren ging, haben wir eine Weile Zeit, um uns auszutauschen und wir nehmen ihr Angebot, uns erst einmal mitzunehmen, dankend an. Da sitzen wir also in einem sandigen Toyota und brausen die 50km bis in die Stadt. Auf dem Weg begegnen uns Warzenschweine, ein Affe und gefühlt alle paar Meter eine Gruppe Menschen, die anscheinend eine Autopanne haben und die Gelegenheit zum Picknick am idyllischen Straßenrand nutzen. Anders kann ich mir ihre Ortswahl nicht erklären… Ist das schön hier! Bei der freundlichen Frau angekommen versuchen wir, die Ranchbesitzer zu kontaktieren, die uns morgen früh anholen werden. Die sind im ersten Augenblick sehr erstaunt, dann aber froh, dass wir gut untergekommen sind. Drei Stunden später allerdings rufen sie zurück- das wäre ihnen doch alles nicht so geheuer, sie wollten uns gerne persönlich sprechen. Blöd nur, dass Dani und ich zu diesem Zeitpunkt irgendwo im Parkhaus den Einkauf in das Auto räumen und nicht erreichbar sind. So langsam wird man an der andreren Seite der Leitung nervös- man wird die beiden Mädchen doch nicht entführt haben?! Doch dieses Missverständnis lässt sich irgendwann aufklären und wir lassen den Abend in einem Restaurant ausklingen (dem leider die Würmer ausgegangen sind, weshalb wir auf diese Erfahrung leider verzichten müssen). Morgen früh geht es weiter zur Ranch, 700km durch das Niemandsland…
12.8.13 13:19
 


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