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Nachtrag vom 3.08.

Der nächste Morgen beginnt mit einem schockierenden Erlebnis: dem Blick in den Spiegel. Bin wirklich ich diese Person mit den kleinen Augen und dafür umso größeren Augenringen darunter?

Ich beschließe, den Spiegel vorerst zu meiden und beginne stattdessen mit dem Packen. Wir bekommen das Angebot, mit der netten Frau und drei weiteren Praktikanten aus Windhuk über das Wochenende in die Wüste zu den höchsten Dünen der Welt zu fahren, müssen aber leider ablehnen, da sonst die Anreise zur Ranch problematisch wird.

Die beiden sehr sympathischen Ranchbesitzer Wulff und Anke, die beide deutsch sprechen, jedoch in Südafrika aufgewachsen sind, sind mit einem Geländewagen vorgefahren und wir vertauen unser Gepäck unter den Enten im Kofferraum, bevor wir zum nächsten Supermarkt fahren. Dies wird der letzte sein für eine lange Zeit, denn Einkaufen werden wir selbst gar nicht mehr, Lebensmittel werden uns mitgebracht. In dem Supermarkt laufen fast ausschließlich deutsch sprachige Weiße herum, im Radio tönen uns die gleichen Songs entgegen wie in Deutschland und ich bekomme sogar die gleichen Haferflocken und Nudeln „wie daheim“. Wir kaufen also für einige Zeit im Voraus ein und stellen fest, dass wir dafür  Zuhause  auch nicht viel mehr bezahlt hätten. Wie war das noch mit den niedrigen Lebenshaltungskosten?

Dann geht es endlich los, auf in unser neues Zuhause für die nächsten drei Monate. Auf den ersten hundert Kilometern teilen wir uns die Straße mit Autos auf dessen Ladeflächen gepicknickt wird, Pferde- und Eselkutschen und zwischendurch einigen Fußgängern in Wintermontur und dicken Wollmützen. Wir tragen noch tapfer kurze Hosen, allerdings mehr aus Trotz gegen die Kälte als aus Notwendigkeit. Und ehrlich gesagt und es ziemlich (!) kalt.

 

Zwei Affen laufen gemächlich vor unser Auto, aus der Ferne sehen wir Springböcke, Orixe, und einmal springen uns beinahe eine Kudukuh und ihr Sprössling vor die Motorhaube. Diese Tiere haben nämlich die lebensunfreundliche Angewohnheit, direkt in ein Auto hinein anstatt davor weg zu springen, weil sie in Stresssituationen die Kontrolle über sich verlieren. Noch gefährlicher soll es nachts sein, weil sie sich vor ihrem eigenen Schatten erschrecken, den die Scheinwerfer hinter sie projizieren. Wenn das nicht so gefährlich für beide Seiten wäre, wäre es eigentlich ganz lustig.

 

Auf den „Sandstraßen“ kommen uns nur wenige Fahrer entgegen, in den ersten beiden Stunden genau einer und wir fahren auf der gesamten Strecke nur durch drei Dörfer.  Die letzten Kilometer vor dem „Dorf“ vor der Ranch rollen wir- der Sprit ist leer. Glücklich darüber, angekommen zu sein, stehen wir erwartungsvoll vor der Tankstelle, die mit einem 24h Service wirbt. Allerdings verschwindet die Euphorie bald- über die Servicenummer ist niemand zu erreichen und eine der Angestellten, die zufällig vorbei läuft, schüttelt nur abweisend den Kopf. Sie wird heute nicht mehr aufmachen.

Wir befinden uns übrigens in Helmeringshausen, dem Dorf in Namibia mit dem längsten Namen und vergleichsweise kleinsten Einwohnerzahl (die sich auf ca 15 beschränkt). Vielleicht klingelt es bei dem ein oder anderen Hummeldumm- Leser, denn auch hier hat der Reisebus der „Gurkentruppe“ Halt gemacht. Es gibt hier eine Tankstelle, die aus zwei Zapfsäulen besteht, einen kleinen Laden, der vor allem Konserven führt und ein Hotel, dessen Besitzer gleichzeitig auch Bürgermeister, Polizei etc sind. Zur Stärkung essen wir eine Springbocksuppe und der Schrank von einem Mann von einem Hotelbesitzer gibt uns 20 Liter Sprit, mit dem wir es bis zur Ranch schaffen. Man kennt sich hier in der eher weniger dicht besiedelten Wüste, und man hilft sich gegenseitig.

Es ist gerade mal 6 Uhr und beinahe vollständig dunkel

Obwohl Dani und ich wirklich müde sind von der Reise, ist an Schlaf nicht zu denken. Die nächsten zwei Stunden fahren wir nämlich zum größten Teil durch die Tirasberge auf schmalen, holprigen Wegen, die letzten 1,5h bereits auf dem Ranchgelände.

Als ich auf dem letzten Teil der Strecke durch das Fenster die letzten Sonnenstrahlen betrachte, die hinter den sandig roten Hügeln untergehen, überkommt mich eine große Dankbarkeit und eine Welle des Glücks durchströmt mich. Bereits jetzt bin ich gedanklich vollkommen woanders, ganz weit weg und trotzdem bei mir, in einer neuen Welt, aber sie gefällt mir schon jetzt unglaublich gut. Und das Beste: es ist wirklich, es ist real und es hat gerade erst begonnen!

Ich lehne mich zurück und möchte am liebsten alles und jeden umarmen.

 

Am Ziel angekommen empfängt uns eine andere Praktikantin, mit der wir noch eine Woche zusammen hier leben werden. Unser neues Zuhause ist die „Studentenburg“, die nicht nur so heißt, sondern auch wirklich so aussieht. Leider ist es so dunkel, dass wir von der Umgebung noch nichts erahnen können. Dafür flasht mich der Anblick des gigantischen Sternenhimmels. Man sieht hier sogar die Milchstraße!

Kurz nach dem Beziehen unserer Zimmer falle ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

 

Am nächsten Morgen Stehe ich schon um sieben Uhr auf (freiwillig! Und das mir als Langschläfer) und kann mich partout nicht mehr ins Bett legen, so unglaublich  spektakulär ist die Umbegung, in der ich mich, noch ganz verschlafen und im Schlafanzug, wiederfinde. Die Studentenburg befindet sich in einem großen Tal, dessen Seiten von hohen roten Felsen begrenzt wird. Darüber erstreckt sich ein tiefblauer Himmel und bildet dazu einen tollen Kontrast. Vereinzelt stehen hier und da ein paar Bäume, trockene Grasbüschel und weitere Felsen.

Zum Glück ist heute Sonntag, Ruhetag also, und wir haben einen Tag lang Zeit zum Ankommen und Orientieren, bevor es morgen zum ersten Mal aufs Pferd geht.

Leider funktioniert mein Handy nicht und Internet gibt es hier direkt leider auch keines, erst 2km weiter, aber ich versuche die Botschaft, dass wir gut angekommen sind, telepathisch zu übermitteln.

 

Beim Frühstück draußen beobachten uns laut krakehlend kleine graue Tierchen, die wie Miniwombats aussehen, aber keine sind und Dussies heißen.

Nachdem wir uns zu dritt (bzw. zu viert, Flo, der lustige Jack Russel begleitet uns) auf Erkundungstour in Richtung Farm begeben und dort Orangen, Zitronen, Pampelmusen und Kumquats geerntet haben, tragen wir uns zwei Betten hinter das Haus und liegen, mit Blick auf die roten Felsen und drei Wildpferde, die davor grasen, in der Sonne und genießen das laue Winterwetter.

Life is wonderful!

 

12.8.13 13:24
 


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