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Fußgänger sind die besseren Cowboys

Nach nun gut einer Woche hier ist es an der Zeit, einmal einen groben Tagesablauf zu skizzieren, um euch einen genaueren Einblick in das tägliche Geschehen zu geben.

Um sieben läutet hier der unsensible Handywecker den Tag ein und nach einem schnellen Frühstück mit Mehlmüsli (damit das Müsli länger reicht- einfach mit Mehl strecken, klingt komisch, schmeckt aber!) geht es auf die Pferde. Zwei übernachten immer an unserem Häuschen im Stall und mit ihnen geht es 2 (meist sehr schnelle) km in Richtung Cowboycamp, wo mit den anderen Pferden gearbeitet wird. Damit dies aber überhaupt stattfinden kann, müssen sie erst einmal von einem der riesigen eingezäunten Flächen getrieben werden. Und das geschieht natürlich- wie sollte es auch anders sein- zu Pferd. Heute haben Dani und ich diese Aufgabe zum zweiten Mal alleine erledigt. Nach einem wilden Galopp hinter der Herde junger Wilder, der nach einigen Anstrengungen tatsächlich in Richtung Tor führt, verliert mein Pferd Siegfried plötzlich die Lust. Mitten im Lauf hält er es für eine gute Idee, plötzlich nach links mit dem Kopf gegen den Zaun zu rennen und die Richtung zu ändern.  Nur ein Versehen, denke ich mir und versuche weiterhin, die Herde im Zaum zu halten. Doch Siegfried hat nun, kurz vor dem Ziel, vollkommen den Willen zur Kooperation verloren und rennt abwechselnd gegen die zahlreichen  Dornenbüsche und den Zaun. Langsam werde ich leicht säuerlich. Und die Herde entfernt sich immer weiter von dem schon so nahe geglaubten Ziel… Ein Rancharbeiter hält mit seinem Pickup am Zaun und grinst. Der hat gut grinsen! Sein Pickup lässt sich wenigstens lenken. Siegfried ist mittlerweile dazu übergegangen, immer genau das Gegenteil von dem zu machen, was ich will. So überflüssig habe ich mich schon lange nicht mehr auf einem Pferd gefühlt- ich kann machen was ich will, er tut aus Prinzip etwas anderes. Dani hat alle Hände voll zu tun, die nun auseinanderlaufende Herde zusammen zu halten. Das Tor rückt in immer weitere Ferne.  Mittlerweile bin ich wirklich geladen. Aber Aufgeben kommt nicht in Frage! Wir ärgern uns noch eine Weile herum und  irgendwann  habe ich dann  wirklich keine Geduld mehr.  Ich springe ab und drücke Dani den Zügel in die Hand. Was dieses Pferd kann, bzw. anscheinend nicht kann, kann ich schon lange. Wütend renne ich los. Tut das gut, sich am Boden abzureagieren! Leider habe ich die Tiefe des Sandes nicht berücksichtigt. Auch nicht das nicht zu verachtende Gewicht meiner Boots und die diversen Kleidungsschichten, die leider weniger windschnittig sind. Nach 50 Metern kann ich nicht mehr und möchte mich sehr, sehr gern in den so verlockend aussehenden Sand fallen lassen. Aber die Blöße will ich mir nicht geben. Sollen Siegfried und die Grinsebacke im Pickup nur sehen! Keuchend laufe ich weiter. Ein großer Brauner scheint meine Bemühungen zu belächeln und trabt provokativ leichtfüßig davon. Das gibt mir Kraft für die nächsten Meter. Aber dann ist wirklich Schluss und vollkommen fertig gehe ich dazu über, laute Rufe auszustoßen, um die Herde vor mir her zu treiben. Wohl eher aus Mitleid gehen sie schließlich doch durch das Tor. Wie gut, dass ich heute meinen Cowboyhut nicht mitgenommen habe, er hätte jetzt sicherlich einige Bissspuren.

Auf den letzten Metern zum Stall zerstreut sich die Herde noch einmal. Diesmal ist es Dani, die die Geduld verliert  und abspringt, aber einige gekeuchte Meter und professionell klingende Treiblaute später schließen wir erhitzt das Stalltor. Endlich!

So viel also zum Pferdeeinfangen. Danach geht es weiter mit Bodenarbeit mit den jungen Wilden, so bekommen sie einige Basics mit auf den Weg, die sie später auch unter dem Sattel gut gebrauchen können, um einmal kooperative und umgängliche Arbeitspferde zu werden.

Nach einer Mittagspause Zuhause und weiteren „Colts“, so werden die jungen Wilden hier genannt, ist Feierabend und wir reiten gemütlich in der Dämmerung nach Hause.

 

Ab Mitte dieser Woche steht Rindertreiben auf dem Programm- diesmal hoffentlich nicht zu Fuß…

14.8.13 10:50
 


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